Konsentprinzip mit Schwellen

 

Konsens Entscheidungen sind getroffen, wenn alle Beteiligten ihre Zustimmung gegeben haben.

Beim Konsent ist eine Entscheidung verabschiedet, wenn es keinen Einwand mehr gibt. Konsens zu erreichen kann eine hohe Hürde darstellen, die Gruppen handlungsunfähig macht. Konsent dagegen ist in der Regel leichter zu erreichen. In der Soziokratie arbeitet man mit einem sogenannten begründeten oder informierten Einwand. Der Einwand muss auf Gründen beruhen, die nachvollziehbar den Werten oder Zielen der Gruppe widersprechen. Damit soll u.a. erreicht werden, dass die lähmende Macht eines willkürlichen Vetos ausgebremst wird.

CF arbeitet auch nach dem Konsentprinzip. Das Kriterium der Begründetheit muss jedoch nicht der Bedenkenträger belegen (was übrigens bestimmte Menschen benachteiligt: z.B. selbstunsichere Menschen, Menschen mit geringeren Fähigkeit sich gut auszudrücken oder mit geringeren Fähigkeiten sich selbst und ihre Widerstände zu verstehen; die Perspektive dieser Menschen wird systematisch unterrepräsentiert). Basierend auf entsprechenden gewaltfreien Prinzipien wird jede Art von Widerstand oder Bedenken als relevant und wertvoll betrachtet. Alles was sich auf diese Weise zeigt, möchte gehört und integriert werden. Alle Bedenken immer anzuhören führt jedoch zu den typischen wird viele andere Bedürfnisse der Gruppe frustrieren und dient dem Ganzen nicht.

CF-Moderatoren müssen daher die Ziele und Bedürfnisse in einer guten Balance halten und Bedenken nur insoweit Raum geben wie sie den Interessen der Gruppen wirklich noch dienen. Um dies zu erreichen bedient sich der Moderator dem Konzept der Schwellen. Der Moderator kann die Entscheidungsfragen verschiedene Schwellen geben, es also schwieriger oder leichter machen, dass Einwände geäußert werden und damit steuern, ob es zu einem Beschluss kommt oder nicht.

Wenn z.B. viel Zeit zur Verfügung steht und eine Entscheidung von hoher Qualität auch wichtig und dienlich ist, wird der Moderator eine niedrige Schwelle benutzen, z.B. durch eine Frage wie „Gibt es noch Bedenken irgendwelcher Art bezüglich der erarbeiteten Lösung? Ich lade euch ein, jede Art von Stimmigkeit zu äußern, um eine Lösung zu finden, die wirklich für lange Zeit und für alle tragfähig ist.“ Bei knapper Zeit und Entscheidungen, bei denen ein geringes Risiko hoher Kosten besteht, wird der Moderator eher eine hohe Schwelle verwenden, z.B. „Gibt es Einwände, die so gravierend sind, dass ihr lieber heute keine Entscheidung trefft als es auf einen Versuch mit dem erarbeiteten Vorschlag ankommen zulassen? Unsere Zeit wird nämlich wahrscheinlich nicht mehr ausreichen, um einen vorgebrachten Einwand heute noch zu integrieren.“